Wir profitieren heute von vielen Ideen, die Menschen Generationen vor uns hatten. Strom, Antibiotika oder der Computer und vieles mehr, das unseren Alltag bestimmt, wurde vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten entdeckt, erfunden oder für uns nutzbar gemacht. Auch von wirtschaftlichen Entscheidungen, die vor langer Zeit getroffen wurden, profitieren wir noch heute. Ein Beispiel ist der Duisburger Hafen, das wirtschaftliche Kraftzentrum des Ruhrgebiets, das für mehr als 40.000 Jobs steht. Nach mehreren gescheiterten Versuchen beschloss der Magistrat der Stadt Ruhrort 1716 einen Hafen zu bauen. Der Rhein war damals schon eine bedeutende Wasserstraße und verband Teile des Deutschen Reiches, das heutige Deutschland gab es noch nicht, mit der Nordsee und den Niederlanden. Die Niederlande waren damals, neben Großbritannien, das wirtschaftliche Zentrum der Welt. Hier wurde Waren aus Asien gehandelt, gab es in Amsterdam damals schon über hundert Jahre lang eine Börse und auch technologisch war das Land ein Vorreiter: Die besten Schiffe der Welt wurden von niederländischen Werften gebaut.

Börtschiffe brachten Kolonialwaren wie Tabak, Gewürze und Seide nach Duisburg

Durch den Hafen fand Duisburg Anschluss an den Welthandel. Der war deutlich kleiner als heute, aber wuchs schon damals rasant. Immer weiter sinkende Frachtraten sollten dafür sorgen, das bald schon nicht mehr nur Luxusgüter wie Tee, Gewürze oder Seide gehandelt wurden, sondern zunehmend auch Weizen, Holz und Baumwolle.

Damit wurden das Rheinland und das spätere Ruhrgebiet Teil der globalen Wachstumszone – und blieb es bis heute. Diese Wachstumszone ist seitdem gewachsen. Wirtschaftsgeographen nennen sie die „Blaue Banane“ und sie zieht sich vom Norden Englands bis i den Norden Italiens. Der Duisburger Hafen ist eines ihrer Zentren, heute kommen hier Züge aus China an und verbinden die Blaue Banane so auf dem Landweg mit den Wirtschaftszentren der wichtigsten asiatischen Supermacht.

Kohleschiffe auf der Ruhr – ihr Ziel war Duisburg

Das alles konnte der Ruhrorter Magistrat nicht ahnen, als er vor 304 Jahren beschloss, einen Hafen zu bauen, aus dem später dann der größte Binnenhafen der Welt wurde. Aber ohne diese kluge Entscheidung wäre die Geschichte anders verlaufen.