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Interview mit den Ruhrbaronen zur Causa Carp

Ruhrtriennale: „Stefanie Carp hat´s vergeigt. Wir brauchen jemanden, der es kann.“
In Bochum, Kultur, Politik | Am 27. Juli 2018 | Von Stefan Laurin

Thomas Hüser gehört zu den bekanntesten PR-Beratern des Ruhrgebiets: Zu seinen Kunden zählten der Initiativkreis Ruhr und der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel. Der Gründungssprecher des bischöflichen Rates für Wirtschaft und Soziales des Bistums Essen fordert einen kommunikativen Relaunch unter einer neuen Intendanz. Auch, um die Marke Ruhrtriennale in Zukunft attraktiv für Sponsoren zu erhalten. Und das Image des Ruhrgebiets nicht weiter zu beschädigen. Mit Thomas Hüser sprach Stefan Laurin.

Ruhrbarone: Die Berichterstattung über die Ruhrtriennale wird national wie international von der Debatte über das Einknicken von Intendantin Stefanie Carp vor der antisemitischen BDS-Kampagne dominiert. Wie kommt so etwas bei Sponsoren an?

Thomas Hüser: Erst einmal müssen wir ja feststellen, dass der größte Sponsor der Ruhrtriennale ja die Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens sind. Allein von der öffentlichen Hand kommen 13 Millionen Euro. Sponsoren werden meist für konkrete Projekte innerhalb der Triennale aktiviert. Das funktioniert prima. Die Sponsoren der Ruhrtriennale haben allerdings als Kultursponsoren einen hervorragenden Ruf: Nehmen wir die Beispiele Kunst Stiftung NRW, RAG-Stiftung, Stiftung der Sparkasse Bochum und NRW-Bank. Die haben alle keine Scheu, wenn über Kunst kontrovers diskutiert wird. Die sehen Kultursponsoring nicht als Vorgartenpflege, sondern geben mit ihrem Engagement gern gesellschaftliche Impulse.

Ruhrbarone: Die Diskussion schadet ihrem Image?

Hüser: Sie schadet erst einmal der Dachmarke Ruhrtriennale. Von Gerard Mortier, über Jürgen Flimm oder Johan Simons, um nur die zu nennen, waren alle Intendanten nicht nur künstlerisch ambitioniert, sondern auch kommunikativ in der Lage zu erklären, was sie mit dem Geld der Bürger und Sponsoren denn so anstellen wollen. Johann Simons ist ja mit seinen Schauspielern in eine Marxloher Moschee gegangen oder hat sich auf heiklen Feldern wie der Flüchtlingsproblematik geäußert. Und hat damit wichtige Impulse gegeben. Mit diesen Vorbildern vor Augen haben die Unternehmen auch Frau Carp ihr Geld gegeben. Sie wollten der Region was Gutes tun – und dass die Menschen auch erfahren, dass auch ihr Unternehmen sich engagieren. Kultursponsoring ist für Unternehmen zentral, weil es Reputation durch Dialogbereitschaft aufbauen möchten. Da kann man auch mal in eine politische Auseinandersetzung hineingezogen werden. Das schadet nicht, wenn das Niveau stimmt.

Ruhrbarone: Warum ist das Debatten-Niveau unter Carp so abgesackt?

Hüser: Es geht ja bei BDS nicht darum, Israel so zu kritisieren wie man auch Frankreich oder die USA kritisiert, was ja vollkommen in Ordnung wäre, sondern um einen wirtschaftlichen Boykott des Landes, das nur entstanden ist, weil es in Deutschland den Holocaust gegeben hat. Wir haben eine besondere Verpflichtung Israel gegenüber. Das Existenzrecht dieses Landes ist Teil unserer Staatsräson. Das hat Frau Merkel gesagt. Und das sehe ich auch so.

Ruhrbarone: Was würden sie tun, wenn Sie sponsorende und unterstützende Unternehmen beraten würden?

Hüser: Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, aber man muss die Marke „Ruhrtriennale“ schützen, damit sie für Bürger und Sponsoren attraktiv bleibt – und nach vorn schauen. Der Stadtrat von München und der Berliner Senat haben sich beispielsweise entschlossen gegen die internationale Anti-Israel Kampagne „Boycott Divestment Sanctions“ gestellt. Ohne Wenn und Aber sagen Berlin und München: Für entsprechende Veranstaltungen solle es künftig weder Räume noch Zuschüsse der Stadt geben. Gleiches sollte das RVR-Parlament beschließen – besser noch der Landtag. Was Berlin und München kann, sollte in Essen und Düsseldorf doch auch möglich sein. Es geht nämlich nicht nur um die Personalie Carp.

Ruhrbarone: Um was geht es denn?

Hüser: Um das internationale Ansehen unserer Region. Stefanie Carp hätte sich nach ihrem ersten Fehlgriff entschuldigen müssen – dann wäre die Sache kommunikativ heilbar gewesen. Nach dem ersten Fauxpas wäre ein Neustart möglich gewesen. Aber weil sie die Young Fathers wieder eingeladen und vor der BDS-Kampagne klein beigegeben hat, ist der Schaden nicht mehr zu begrenzen. Sie hat es vergeigt. Ich würde mich weder als Politiker noch als Sponsor nun in eine Loyalität zu der offensichtlich überforderten Frau Carp zwingen lassen, wenn ich die Ruhrtriennale unterstützen will. Wie der Münchener und der Berliner Bürgermeister ihre weltoffenen Kulturstandorte durch eine klare Absage an den BDS geschützt haben, so muss es auch das Ruhrgebiet und das Land Nordrhein-Westfalen tun.

Ruhrbarone: Also: Carp muss weg?

Hüser: Wir brauchen jemanden, der es kann. Aber das reicht nicht. Wir sollten uns vor der Eröffnung der Ruhrtriennale auch politisch klar positionieren: Wir müssen – wie Berlin und München – klar beschließen, dass wir in NRW keinen Platz für kulturellen Anti-Israelismus haben… Aber wissen Sie, was mich als Ruhri am meisten ärgert?

Ruhrbarone: Was?

Dass jetzt überall in den Feuilletons jetzt diese Super-Sommer Festival-Bilder aus Bayreuth, Bregenz oder Salzburg kommen und wir an der Ruhr nur wieder so eine völlig überflüssige, selbst eingebrockte Debatte wegen politisch verirrter Schotten-Rapper haben, nervt. Da fasst man sich echt an den Kopf….

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