Anbei mein Gastbeitrag aus den Ruhrbaronen noch einmal auf der Recito-Homepage:

„Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?“, las die 16-jährige Greta Thunberg aus Schweden mit tränenerstickter Stimme und teilweise verzerrtem Gesicht auf dem Weltforum der Vereinten Nationen ab. Voller Emotion drohte sie den Diplomaten und Regierungsvertretern aus aller Welt: „Wir werden Euch das nicht durchgehen lassen. (…) Die Welt wacht auf und es wird Veränderungen geben, ob Ihr es wollt oder nicht.“

Die 16-jährige wird im Augenblick zum globalen Gesicht des Klimaschutzes und einer Bewegung, die in ihrer Dynamik viele Jugendliche, aber auch Erwachsene, in den Industrienationen begeistert. Sie entfaltet, das muss man in meiner Profession als PR-Berater besonders bemerken, eine gewaltige Wirkung: Sie rüttelt das Klima-Treffen in New York auf. Selbst Putins Russland trat am Montag per Regierungsverfügung dem Klimaschutzabkommen von Paris offiziell bei.

Unter den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in ihrer später anschließenden Rede sagte: „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört.“ Mediengerecht fand Merkel für Thunberg schon vor Gipfelbeginn Zeit zu einem kurzen Gespräch und – viel wichtiger heutzutage – ein rasches Foto. Da ist sie in bester Gesellschaft mit Amerikas Ex-Präsidenten Obama oder dem UN-Generalsekretär Guiterrez! Selbst der mächtigste Mann der Welt schenkte dem weltberühmten Teenager seine herablassende Beachtung. Trump verspottete Thunbergs Rede via Twitter: „Sie wirkt wie ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut. So schön zu sehen!“

Greta Thunberg ist zu einer polarisierenden Ikone des Klimaschutzes geworden. Aber ist der Hype um sie noch unter ethischen Gesichtspunkten vertretbar? Als Vater besorgt mich die Art und Weise der globalen medialen Zurschaustellung der Ängste und Sorgen eines Kindes in hohem Maße. Ich habe selbst eine Tochter in diesem Alter. Es ist sicher unsere Aufgabe, der Umweltzerstörung Einhalt zu gebieten. Es ist aber auch unsere Aufgabe, die Seele eines Kindes vor öffentlicher Entblößung zu schützen. Mich stößt dieser, auch von den Medien weitgehend unreflektierte, Zirkus um Greta Thunberg ab. Mir tut das Mädchen leid und ich hege inzwischen Groll gegen all jene, die an dieser völlig aus den Fugen geratenen Inszenierung mitwirken. Gegen ihre Eltern, die Öko-Aktivisten (auch gegen meine Bundeskanzlerin, Obama und den Papst). Wo soll Gretas Klima-Aktivismus mit ihrer Persönlichkeitsentwicklung Schritt halten? Sie ist offensichtlich ein sehr ernsthaftes, ein reflektiertes Kind. Sie ist sicher auch sehr klug.

 

Aber sie ist ein Kind. In vielerlei Hinsicht ist ihre Persönlichkeit schon hinter ihrer Aufgabe als PR-Instrument und Projektionsfläche für eine unbestritten gute Sache verschwunden. Ich frage mich, was macht das mit ihr? Wer übernimmt Verantwortung für ihre persönliche Entwicklung abseits des alltäglichen medialen Wahnsinns? Wer schützt ihre Seele vor dem Spott von Trump und der Vereinnahmung durch Regierungschefs und Öko-Aktivisten? Welche 16-jährige kann so etwas aushalten?

 

Ich wünsche mir um Gretas Willen, dass ihre Eltern jetzt die Reißleine ziehen – und ihre medialen Auftritte reduzieren. Denn Eines ist doch bekanntes Gesetz der Mediengesellschaft: Der Hype um die Öko-Aktivistin Greta Thunberg wird, wie jeder Hype, mit der Zeit abflauen. Das ist sicher. Nicht sicher ist, was aus dem Mädchen Greta Thunberg aus Schweden wird. Diese zweite Frage wäre einem verantwortungsbewussten Vater in jedem Fall wichtiger als globale Aufmerksamkeit für den Klimaschutz auf allen Kanälen.

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