Im ersten Halbjahr 2019 ist die Berliner Zentralredaktion die Funke Mediengruppe mit exklusiven überregionalen Inhalten häufiger von anderen Medien zitiert worden als jede andere Regionalzeitungsredaktion. Das Institut Pressrelations ermittelte von Januar bis Juni 1831 Zitate für FUNKE. Platz drei war übrigens auch ein Medienhaus aus Nordrhein-Westfalen: Die Rheinische Post mit 1483 Zitaten. Die Verlagsgruppe Handelsblatt in Düsseldorf steht gut da, Bertelsmann in Gütersloh schreibt Gewinne und auch experimentelle Zugänge wie das Rechercheportal „Correctiv“ haben an Rhein und Ruhr eine Heimat gefunden. Grund genug für einen Public Relations-Menschen wie mich, auch einmal Positives über „meinen Standort“ Nordrhein-Westfalen zu schreiben, der in Berlin, München und Hamburg gern von oben herab betrachtet wird.

Mehr dauerhafte Initiative, weniger Feuerwerk

Als die schwarz-gelbe Landesregierung im Sommer 2017 die Amtsgeschäfte übernahm, lag das Feld der Medienpolitik in Nordrhein-Westfalen brach. Und auch der Start in die neue  Medienpolitik war mit der Ressort-Neuaufteilung, bei der der ursprünglich vorgesehene Minister Dr. Stephan Holthoff-Pförtner das Ressort Medien an Staatskanzleichef Nathanael Leminski abgab, alles andere als glücklich.

War Medienpolitik im Land Nordrhein-Westfalen lange Zeit geprägt von Leuchtturmprojekten, rauschenden Messefesten und Regulierungsphantasien, hatte rot-grün unter Hannelore Kraft jedes Interesse an diesem Politikfeld verloren, das, bei allen Erfolgen und Rückschlägen, eng mit dem Namen ihres ehemaligen Parteifreundes und Vorgängers Wolfgang Clement verbunden war.

Kluger Neuanfang 

CDU und FDP fanden wenig vor, an dem es sich lohnte weiter zu arbeiten und mussten sich daran machen, die Medienpolitik in NRW neu zu erfinden. Die Landesregierung erlag dabei nicht der Verführung, ein spektakuläres Feuerwerk abzubrennen, sondern machte sich an die Arbeit, Grundlagen zu schaffen und dieses Politikfeld neu zu justieren.

Gemeinnütziger Journalismus: Vorbildliche Initiative im Bundesrat

Mit einer Bundesratsinitiative will NRW erreichen, dass auch Journalismus als gemeinnützig anerkannt wird. Kann die Landesregierung weitere Länder von dem Vorhaben überzeugen, wird für den Journalismus vor allem im ländlichen Raum oder in den Quartieren der Großstädte eine neue, wirtschaftliche Perspektive geschaffen. Im Rahmen der von der Landesregierung initiierten Ruhrkonferenz wird in Fachgruppen über Diversität, Vernetzung und Professionalisierung von kleinen, lokalen Medien diskutiert. Das ist nicht spektakulär, hat aber die Chance, nachhaltige Ergebnisse zu liefern.

Realistische Geschäftsmodelle

Die Landesanstalt für Medien liefert Fakten zur Finanzierbarkeit digitaler Medien. Die Ergebnisse, die meisten User sind nicht bereit mehr als zehn Euro im Monat für Online-Medien zu zahlen, müssen nicht jedem gefallen – aber sie sorgen für eine realistische Einschätzung der Erfolgsaussichten von neuen Geschäftsmodellen

 

Und last but not least: Die Versuche, die Gamescom, die größte Computerspielmesse der Welt, abzuwerben, konnten abgewehrt werden. Die Gamescom bleibt in Köln. Ein Anfang ist also gemacht. Nun muss konzentriert weitergearbeitet werden. NRW ist ein Medienland. Es hat gute Chancen, sich als ein solches im Standortwettbewerb um die klügsten Köpfe zu behaupten.: Diesmal aber mit mehr Ernsthaftigkeit und Liebe zum Detail und mit weniger rot-grünes Konfetti. Man merkt: In der Staatskanzlei sitzt mit dem ehemaligen Journalisten Armin Laschet ein gelernter Journalist, der viel Verständnis für die Medien hat – und viel von Medienpolitik versteht. Und das nutzt auch meiner, mediennahen Branche, den Public Relations.