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Schnelle Seidenstraße – langsame Bahn

Der Verkehr auf der eisernen Seidenstraße zwischen Europa und China boomt. Doch noch ist die Eisenbahn auf der langen Strecke zu langsam.

Die eiserne Seidenstraße feiert 10-jähriges Jubiläum. Doch die Eisenbahn ist noch zu langsam.

(Quelle: Handelsblatt) Wer kennt schon Chongquing, Chengdu, Zhengzhou, Wuhan oder Xi’an? Dabei sind es Millionenstädte in China. Vor allem sind es Zielorte einer mehr als 10 000 Kilometer langen Eisenbahnverbindung mit Europa. Diese Städte sind auf direktem Weg zu erreichen, jedenfalls für Computer und Autoteile.

Die Seidenstraße auf der Schienefeiert ihr zehnjähriges Jubiläum. Was am 6. Oktober des Jahres 2008 als vages Experiment begann, ist heute Eisenbahnalltag. Auf der Schiene ist die viel beschworene Seidenstraße, der historische Handelsweg zwischen Europa und Asien, längst wiederauferstanden.

Im Hamburger Güterbahnhof Alte Süderelbe rollte damals ein erster Containerzug nach 15 Tagen Reise aus der chinesischen Industriestadt Xiantang an. Beladen mit Elektronik für den europäischen Markt. Das Ereignis war der Deutschen Bahnso wichtig, dass der damalige Bahnchef Hartmut Mehdornpersönlich anreiste und von einem „Zukunftsmarkt“ schwärmte.

Mit dieser Vision sollte MehdornRecht behalten: Der Container-Transport auf der Eisenbahn von und nach Chinaboomt. Jedes Jahr kommen neue Linien hinzu, nicht nur nach Deutschland. Inzwischen werden Österreich, Frankreich, Belgien und gar Großbritannien von China-Zügen angefahren.

Allein die Deutsche Bahnwill in diesem Jahr um die 90 000 Standardcontainer transportieren. Dazu kommen unzählige Container, die Dutzende Speditionen aus dem In- und Ausland auf den Zügen staatlicher und privater Eisenbahngesellschaften verladen.

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Mehdorns zweite Vision, die durchschnittlich 10 000 bis 12 000 Kilometer langen Strecken irgendwann in nur zehn Tagen zu schaffen, ist bislang jedoch nicht in Erfüllung gegangen. Die Züge benötigen nach wie vor zwischen 14 und 16 Tagen dafür. Doch damit sind die Züge immer noch doppelt so schnell wie der Seetransport, bei demdie Container auch noch vom Hafen zum Zielort an Land transportiert werden müssen.

Selbst Häfen setzen nicht mehr allein auf den Seeweg und damit auf Riesenschiffe, die bis zu 21 000 Container transportieren könnten. So gibt es beispielsweise seit dem Mai dieses Jahres regelmäßige Zugverbindung zwischen der Hafenstadt Tangshan und Antwerpen. Sie ist Teil der chinesischen „Belt & Road Initiative“, mit der Peking die Handelswege der alten Seidenstraße wiederbeleben will. Betreiber sind die chinesische Reederei Cosco Shipping und die chinesische Staatseisenbahn CRCT.

Beinahe täglich werden mittlerweile Kleidung, Elektronikgeräte, Autoteile, Papier sowie Konsumgüter zwischen China und Europa über die Schiene transportiert. Von diversen Terminals fahren die Frachtzüge mindestens einmal wöchentlich ab, aus den Industriezentren Chongqing, Chengdu, Zhengzou, Wuhan und Xian sogar vier- bis fünfmal.

Knotenpunkt Duisburg

Der Weg führt entweder über Sibirien und nördlich der Mongolei entlang oder über die Südroute durch Kasachstan, Russland und Weißrussland. Zielorte in Deutschland sind neben Hamburg beispielsweise Leipzig, Nürnberg, Ingolstadt.

Anfangs fuhr die Bahn vor allem für einzelne Kunden aus der Automobil- und Elektronikindustrie. Etwa für Audi. In den Containern Richtung Osten waren Einzelteile für Pkw, die in China zu kompletten Fahrzeugen montiert wurden. In Gegenrichtung packten chinesische Hersteller die Züge mit Computern und Unterhaltungselektronik voll. Inzwischen ist es kein Problem mehr, selbst kleine Warenmengen zu laden, selbst wenn es nur eine Kiste ist.

Einer der wichtigsten Umschlagpunkte in Europa ist Duisburg. Wöchentlich verkehren laut Hafengesellschaft Duisport 30 Züge zwischen verschiedenen Städten Chinas und der Industriestadt am Rhein. Allein zwischen Duisburg und Chongquing seien seit 2011 rund 2000 Züge gefahren. Diese Verbindung scheint den Chinesen sogar so wichtig zu sein, dass Staatspräsident Xi Jinping 2014 den Duisburger Hafen als einziges Wirtschaftsunternehmen während seiner Europareise besuchte.

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